Lydia sitzt im Cafe draußen und schreibt Braille auf dem iPhone

Brailleschrift und wie man sie nutzen kann – Schreiben aus blinder Perspektive

Guten Morgen meine Lieben! Ihr wisst ja, ich bin Schreibwarenverrückt und viele von euch wahrscheinlich auch, sonst wärt ihr nicht auf meinem Blog gelandet. Aber habt ihr euch schon mal gefragt wie das einer blinden Person geht? Mal eben eine To-Do-Liste schreiben, einen Termin notieren, Handlettering? Ich habe mich für den heutigen Beitrag mit Lydia von Lydias Welt zusammengetan und sie wird etwas über die Brailleschrift (also die Blindenschrift) und wie man sie nutzen kann erzählen.

Ab der ersten Klasse lernen Kinder auf einer Regelschule lesen und schreiben. Das gilt auch für Kinder mit einer Sehbehinderung oder Blindheit. Ein Kind, welches nur sehbehindert ist, kann mit vergrößernden Sehhilfen, einer Tafelkamera oder ähnlichen Hilfsmitteln das Lesen und Schreiben mit den Augen erlernen. Was aber, wenn das Kind blind ist?

Zunächst mal ein paar Fakten zur Blindheit. Blindsein heißt nicht gleich Dunkelheit. Als gesetzlich blind gilt ein Mensch, dessen Sehvermögen auf dem besser sehenden Auge höchstens zwei Prozent beträgt. Nur ca. vier Prozent aller blinden Personen sehen wirklich gar nichts. Der Rest nimmt noch Strukturen, Umrisse oder Farben wahr. Das ist von der Augenerkrankung abhängig. Für diese Personen wurde die Brailleschrift entwickelt.

Diese besteht aus sechs Punkten, zwei nebeneinander und drei übereinander, die erhaben, also fühlbar dargestellt werden. Blinde Kinder lernen also mit den Fingern lesen. Um die Brailleschrift selbst schreiben zu können, gibt es Hilfsmittel.

Das älteste Verfahren ist das Schreiben mit einer Tafel. Hier spannt man ein Blatt Papier in eine Schablone und sticht alle erforderlichen Punkte mit einem Griffel ein. In ärmeren Ländern der Welt wird das noch immer so praktiziert, da eine Tafel nur einen Bruchteil dessen kostet, was eine Maschine zum Braille schreiben kostet.

So wie es unterschiedliche Stifte gibt, gibt es auch unterschiedliche Maschinen, mit denen man Braille schreiben kann. Der Unterschied zu einer Schreibtafel ist, dass es für jeden der anfangs erwähnten sechs Punkte eine eigene Taste gibt. Außerdem gibt es eine Leertaste, die man zwischen zwei Worte setzt.

Ab der fünften Klasse hatte ich Unterricht im Maschinenschreiben. Die Philosophie dahinter war, dass blinde Menschen auch mit Personen, die keine Brailleschrift beherrschen, schriftlich kommunizieren können. Das hat mir später sehr geholfen, als ich meinen ersten Computer benutzte. Heute ist es so, dass blinde Kinder hier in Deutschland recht früh lernen mit der Computertastatur umzugehen. Da wir die Maus nicht effizient bedienen können, steuern wir den PC allein mit Hilfe der Tastatur.

Was früher meine Brailleschreibmaschine, oder Punktschriftmaschine war, ist heute meine Zehnfingertastatur und meine Braillezeile. Das ist ein Gerät, welches an den  PC angeschlossen wird, und mir das Geschriebene in Braille übersetzt. Damit kann ich auch mal einen Fehler korrigieren oder auf dem Sofa ein Buch lesen.

Die Brailleschrift gibt es nur als Einheitsgröße. Man kann also nicht größer oder kleiner schreiben. Und im Gegensatz zu herkömmlicher Schrift nimmt Brailleschrift viel Platz weg.

Aber es geht auch noch kleiner. Denn inzwischen gibt es Braillezeilen, die eine integrierte Brailleeingabe haben. Diese passen in die Handtasche und verfügen über ausreichend Speicherplatz, um sich zuhause ein Buch für den Urlaub draufzuladen. Mit solchen Geräten kann man sich auch mal während eines Seminars Notizen machen, etwas nachschlagen, oder im Internet surfen. Damit ist ein blinder Mitarbeiter nicht ausschließlich auf seinen PC Arbeitsplatz gebunden, sondern kann sein mobiles Notizgerät mit in eine Besprechung oder zum Kunden mitnehmen.

Lydia sitzt im Cafe draußen und schreibt Braille auf dem iPhone
Lydia sitzt im Cafe draußen und schreibt Braille auf ihrem IPhone

Seit ein paar Jahren verfügen auch viele Smartphones über die Möglichkeit das Display in eine Brailletastatur zu verwandeln. Gepaart mit der Sprachausgabe Voiceover, die standardmäßig auf meinem iPhone läuft, bin ich damit noch unabhängiger geworden. Wenn mir also jetzt und hier einfällt, dass ich noch eine Tüte Backpulver auf meinen digitalen Einkaufszettel setzen will, dann kann ich das tun. Und zwar da wo ich jetzt bin. Das sieht dann etwa so aus wie auf dem Beitragsbild. Und wenn ich nicht will, dass meine Sprachausgabe laut mitläuft, stecke ich mir ein handelsübliches Headset ins Ohr.

Auf die Frage, ob blinde Menschen Freude am Schreiben und an Schreibwaren haben, gibt es keine eindeutige Antwort. Das hat drei Gründe:
– Den typischen Blinden gibt es nicht. Blind ist nur eine Eigenschaft von ganz vielen anderen.
– Die Auswahl an Schreibwahren, die wir Menschen mit einer Sehbehinderung nutzen können, ist ziemlich gering. Es sei denn, der Sehrest ist noch ausreichend, um die eigene Handschrift lesen zu können.
– So wie bei sehenden Personen ist es auch blinden Menschen. Manche haben viel Freude daran zu schreiben, andere überhaupt nicht. Oder sie nutzen lieber ein Diktiergerät, mit dem sie besser zurechtkommen.

Ich habe große Freude am Schreiben. Da ich nicht mehr mit der Hand schreiben kann, erledige ich das mit meiner Technik. Zuhause also am PC, und unterwegs auf dem Smartphone. Bevor das ging, hatte ich für unterwegs ein Diktiergerät mit. Darauf habe ich mir alles Mögliche notiert, was sich sehende Personen eben mal mit der Hand aufschreiben können. Der Termin beim Zahnarzt, die Einkaufsliste, die Telefonnummer einer Freundin.

Ich betreibe den Blog Lydias Welt, dessen Schwerpunkte auf den Themen Blindheit und Sehbehinderung und blinde Eltern liegen. Meine Beiträge richten sich hauptsächlich an nicht blinde Leser. Ich versuche die Fragen zu beantworten, die man sich nicht traut einem blinden Menschen zu stellen, aus Angst diesen zu verletzen. Und so erreicht Ihr mich:

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Von mir an dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an dich Lydia! Der Beitrag war sehr aufschlussreich und interessant, da ich mich selbst noch nie so wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Aber Dailyplanner dreht sich nunmal um alle Arten von Schreibwaren und oder Kalendern, auch diese die digital genutzt werden und sich zum Beispiel an Blinde Menschen richten. Ich hoffe euch hat der Beitrag auch gefallen und dass ihr vielleicht auch etwas Neues gelernt habt.

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